Zentrum der Macht © Vereinigung zur Pflege der morgendlichen Umnachtung

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Ein Tag im Leben eines Knastvogels

Art der Umnachtung: exorbitante visuelle Beschränkung, Phlegma, ausgedehnte Zeitverzerrung zwischen Denk- und Handelsprozessen
Intensität der Umnachtung: 7
Ursprung der Umnachtung: Schlaf- und Koffeindefizit, direkter Lichteinfall
Angewandte Maßnahmen: 1 Kaffee (Vollautomat), 2 Filterkaffee, 2 Zigaretten
Negative Nebenerscheinungen: stark eingeschränkte Kreativität und fehlende Eloquenz
Positive Nebenerscheinungen: Ich werde überleben.
Bemerkungen:
Hakuna-Matata.
___________________________

06:00 Uhr – Irgendein Penner rennt mit dem Kopf gegen die Tür. Ich falle vor Schreck von der Pritsche und fluche lautstark vor mich hin.
06:15 Uhr – Ich bemerke, dass der Störer nicht seinen Kopf benutzt hat, um die Störung zu verursachen, sondern vielmehr seine Faust. Nachdem ich das klirrende Geräusch des Schlüssels im Schloss vernommen habe, reicht die Faust mir eine Schüssel mit grau-grünem Inhalt und einen Holzlöffel.
06:30 Uhr – Das Frühstück war beschissen. Ich versuche, den Löffel zu essen, aber dieser lässt das nicht zu und stellt sich stur.
07:00 Uhr – Nachdem ich den Löffel massakriert und mich zufrieden wieder hingelegt habe, stört man mich erneut durch Lärm hinter der Zellentür. Jemand kommt rein und schmeißt mir die Klamotten hin. Scheinbar soll ich schon wieder in den Arbeitsbetrieben schuften. Scheiße, ich will doch nur pennen!
08:10 Uhr – Aufgrund meiner morgendlichen Lähmung, die ich im Übrigen gründlich kultiviert habe, hat der Direktor soeben beschlossen, dass ich nicht zu körperlicher Arbeit herangezogen werden kann. Im Klartext heißt das wohl, dass ich bekloppt bin. Super! Während ich jetzt Kugelschreiber für die Welthunger Hilfe zusammenschraube kann ich wenigstens gemütlich Kaffee trinken.
12:00 Uhr – Die Arbeitszeit ist um. Ich müsste langsam mal wieder zu mir kommen. Irgendein Grobian piekt mir mit einem der Kugelschreiber ins Auge. Jetzt bin ich komplett betriebsblind. Vielleicht lassen die mich morgen auch mal ausschlafen.
12:10 Uhr – Die Faust von heute morgen schiebt mich zurück in mein hoheitliches Quartier und serviert mir einen Teller, belagert von grünlicher und cremefarbener Pampe. Ich hoffe, ich werde darunter ein bisschen Fleisch zu Tage bringen.
13:00 Uhr – Ob das Fleisch war, was ich gefunden habe weiß ich nicht. Man will mir kein Besteck mehr geben, damit man mir nicht erneut den Magen auspumpen muss. Eigentlich müsste ich nun zurück in den Arbeitsbetrieb, aber ich halte mich für zu sehr geschwächt. Man hat mir Schmerzmittel verabreicht, die meine Blindheit noch verstärken. Außerdem habe ich eine Kugelschreibermine in meinem Bauchnabel gefunden.
15:30 Uhr – In einer halben Stunde beginnt der Hofgang. Ich sollte allmählich den Genesungsprozess einleiten, damit ich draußen eine rauchen kann. Außerdem muss ich mich noch wegen des „Geschäfts“ mit Waldemar treffen.
15:31 Uhr – Der Genesungsprozess ist abgeschlossen. Ich zwinkere der Krankenschwester zu und mache mich aus dem Staub, während sie nach Medikament sucht, nach dem ich sie gefragt habe.
15:45 Uhr – Mist. Auf dem Gang fängt mich ein Wärter ab und fragt mich was ich hier zu suchen hätte. Ich erzähle ihm, dass ich auf der Suche nach mir selbst bin, woraufhin er behauptet, ich könne mein Ich auch draußen auf dem Hof suchen.
16:00 Uhr – Scheiße Zigaretten vergessen. Ah, ich sehe, Waldemar hat genug.
17:00 Uhr – Alle Geschäfte wurden erfolgreich abgeschlossen. Alle Zigaretten wurden aufgebraucht. Mein Magen knurrt. Ich hätte Lust auf einen Metalllöffel zur Abwechslung.
17:15 Uhr – Und wieder reicht die Faust mir einen Teller in die Zelle. Wahnsinn. Sieht aus wie Aufschnitt. Brot, dafür braucht man kein Besteck. Schade. Heute kein Löffel mehr. Hoffentlich haben sie meine Vorliebe bis morgen wieder vergessen.
18:00 Uhr – Ich hätte meinen Fernseher nicht gegen die Stadionsirene eintauschen sollen.
19:00 Uhr – Man hat mir empfohlen, ein Bad zu nehmen. Nachdem ich das Badewasser ausgetrunken, die Seife verspeist und die Zahnbürste für andere Zwecke entwendet hatte, gab man auf, mir mit Hygieneprinzipien beikommen zu wollen.
20:00 Uhr – Mit der Stadionsirene habe ich meinen Zellennachbarn geweckt. Er war sauer, schlug mit dem Fernseher ein Loch durch die Wand und verdrosch mich. Er fordert die Sirene als Ersatz für seinen Fernseher. Aber ich würde sie gerne behalten. Ich benutze einfach meine Matratze als Schutzschild bis er sich wieder beruhigt hat.
20:30 Uhr – Die Matratze hat scheiße geschmeckt. Außerdem bin ich nun schutzlos. Ich habe bereits versucht, auch die Stadionsirene zu essen, aber sie lässt sich nur sehr schwer zerkauen. Ich gebe sie ab, um meinem Körper vor weiteren Zerstörungen durch Dritte zu schützen.
21:00 Uhr – Eigentlich wären jetzt Gesprächsgruppen angesagt, aber ich soll zu Beschaffung gehen und mir eine neue Matratze besorgen. Auf die Drohung hin, dass ich keine sechste mehr bekommen würde, bekomme ich bloß noch mehr Appetit.
21:15 Uhr – Der Hausmeister will mir keine Matratze mehr geben. Ich biete ihm den kaputten Fernseher meines Nachbarn an und stimme ihn gnädig.
21:30 Uhr – Das Gruppengespräch ist in vollem Gange, als ich eintrudele. Keiner hat einen Löffel für mich, aber dafür bekomme ich für 300 Kugelschreiber einen neuen Fernseher bei einem guten Kollegen mit Dachschaden.
22:00 Uhr – Nachtruhe. Ich versuche, meinen Fernseher im Dunkeln anzuschließen, allerdings führe ich einen Kurzschluss herbei und bette mein zu Berge stehendes Haar vorsichtig auf meine letzte Matratze. Wenn einer fragt: es war Waldemar.

 

24.6.09 09:17
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Benjamin Breeg (24.6.09 09:34)
Hehe, ich hoffe du sprichst nicht aus eigener Erfahrung. Sonst würde ich gerne mal deinen Magen sehen.


Edward The Head (24.6.09 10:23)
Ich war nie im Knast...
Glaube ich zumindest. Ich weiß nicht, was sie in dem Jahr mit mir gemacht haben, als mein Gehirn zu Forschungszwecken an einen Notstromgenerator angeschlossen war...



Benjamin Breeg (24.6.09 10:44)
OK.
In dem Jahr warst du auch nicht im Knast, in dem Jahr hast du nämlich bei mir im Partykeller rumgelegen und ich hab auf dich aufgepasst.


Edward The Head (25.6.09 10:41)
Echt? Und wozu dann die ganzen Fledermäuse?
*Fliegenklatscherauskram*


Benjamin Breeg (25.6.09 10:56)
Klar, glaubst du ich lass dich in den Knast verfrachten, während dein Gehirn anderweitig gebraucht wird?
Fledermäuse? Was für Fledermäuse? Die müssen von meinem Nachbarn sein, der hat ne Fledermauszucht...

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