Zentrum der Macht © Vereinigung zur Pflege der morgendlichen Umnachtung

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Art der Umnachtung: Keratokonjunktivitis sicca, leichte Mattigkeit
Intensität der Umnachtung: 5
Ursprung der Umnachtung: Koffeinmangel, Flüssigkeitsmangel
Angewandte Maßnahmen:
paar Kaffee, selbstgebackene Plätzchen.
Negative Nebenerscheinungen: Kaffee ist leer.
Positive Nebenerscheinungen: Frau Chefin liest mir interessante Artikel aus dem "Playboy-Report" vor.
Bemerkungen: Menschen sind wie der Mond: Mal nehmen sie ab, mal nehmen sie zu, mal sind sie voll.
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Joseph R. war ganz anders als alle seine Mitschüler. Er hielt sich für was Besseres, fühlte sich ihnen in seiner ganzen Person überlegen, und verhielt sich komplett anachronistisch gegenüber allen seinen Mitmenschen. Diese Divergenz bezog sich auf alle Bereiche des Lebens, und zwar nicht nur in Bezug zu seinen Mitschülern, sondern auch gegenüber seinen Lehrern. Besonders was Populärkultur anging, fiel Joseph gehörig aus dem Rahmen.
Während sich ein Großteil seiner Mitschüler, besonders die mit den schlechteren Noten, als akustische Einfuhr fragwürdige Sachen wie HipfHüpf und Techno gaben, frönten die anderen, intellektuell besser gestellten, der Stromgitarrenmusik im Allgemeinen, dabei Classic Rock, Punk und Heavy Metal im Besonderen. Joseph verachtete beide Gruppen, solche Pop-Musik passte nicht in sein eingefahrenes, konservatives Weltbild. Er widmete sich musikalisch voller Hingabe der klassischen deutschen Volks- und Schlagermusik. Besonders Ernst Mosh war dabei sein absolutes Idol, und er sammelte alle Mosh-Platten, die er kriegen konnte. Was eine ganze Menge waren.
Seine Mitschüler verspotteten ihn deswegen, und auch wegen seiner Eigenart, sich wie sein Großvater zu kleiden und damit unweigerlich aufzufallen. Doch Joseph lachte immer nur über die anderen, verabscheute ihre Musik und verachtete die Personen aus ganzem Herzen. Bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bot, lästerte er lauthals über sämtliche moderne gesellschaftliche und kulturelle Strömungen und stellte sich und seine konservativ-überholten Kulturansichten als das Nonplusultra dar. Doch damit sollte bald Schluss sein.
Manni, dessen Eltern ein Elektrofachgeschäft in der Innenstadt führten, und seine Kumpelz hatten sich was Besonderes für Joseph ausgedacht, um ihn auf den rechten Pfad der Kultur zurückzuführen. Sie beschafften sich auf einem Flohmarkt, einen alten, aber noch funktionstüchtigen Plattenspieler, und besorgten sich über ebay auch das seltene und gesuchte Debütalbum "Die Musik der Berge" von Ernst Mosh, von dem sie wussten, dass es noch in Josephs Sammlung fehlte. Sie platzierten beides auffällig im Schaufenster des Elektro-Geschäftes und brachten daneben ein Schild mit der Überschrift "Ernst Mosh Quiz" an. Mitmachen konnte dort jeder, und wer die meisten Fragen über Ernst Mosh richtig beantwortet hatte, würde die Platten-Rarität samt Plattenspieler gewinnen. Wie Manni und seine Freunde erwartet hatten, beantwortete Joseph natürlich die meisten Fragen richtig, und somit gewann er Plattenspieler und Platte.
An einem Dienstagnachmittag im August nahm er das Gerät und den Tonträger in Empfang. Das passte ihm ganz besonders gut, denn kurz vorher hatte sein alter Plattenspieler "rein zufällig" den Geist aufgegeben. Er stellte den Plattenspieler in seiner Studenten-WG auf, schloss ihn an, legte "Die Musik der Berge" auf und genoss die Musik.
Zumindest kurzzeitig, denn ein paar Minuten später lag er tot vor seinem Hifi-Schrank.
Sein WG-Mitbewohner Kevin W., der ihm ziemlich ähnlich sah, ansonsten aber als Eremit und Teilzeit-Obdachloser ein völlig anderes Leben lebte, fand ihn am Abend. Er nahm dem Toten den Ausweis ab, gab sich von da an als Joseph R. aus, wurde gläubig und zog beim Pfarrer ein, und wurde Jahre später Chef der größten Sekte des Planeten. Aber das ist eine andere Geschichte.
Die Polizei, die die verweste Leiche vom echten Joseph erst einige Wochen später fand, rekonstruierte bei der Obduktion, dass Joseph vergiftet worden war, allerdings ließ sich nie genau rausfinden, wie und warum.
Nur Manni und seine Kempel wussten, dass die Start-Taste des Plattenspielers mit Methylfluorphosphonsäureisopropylester präpariert worden war, und Joseph deshalb kurz nach dem Drücken dieser Taste beim Hören seiner Mosh-Platte krepiert ist.

29.9.10 11:37
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Edward The Head (30.9.10 17:11)
Hat Ernst Mosh den Mosh-Pit erfunden? Ich dachte im Übrigen, dass es Mosch heißt...
*kicher*
Das ist eine interessante Methode, Idioten zu vernichten. *Methylfluorphosphonsäureisopropylestereinkauf*



Benjamin Breeg (30.9.10 18:55)
Klar heißt er eigentlich Mosch. Aber ich finde Mosh als Wort besser. *breitgrins*
Seit der Mosch in einem Mosh-Pit totgemosht wurde, heißt er Mosh.

Yap, so Kontaktgifte sind ne schöne Erfindung *diabolischgrins*

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